Leitlinien der Deutschen Psychologischen Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie
(DPGG)
für die
Ausbildungsinhalte “Gesprächspsychotherapie (GPT)“
in der Grundausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten
und von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
Präambel: Ziel des Ausbildungsteils „Gesprächspsychotherapie
(GPT)“ sollte es sein, auch durch eigene Erfahrung einen näheren Einblick in
das Menschenbild, die theoretischen Grundlagen und das therapeutische Handeln
in der GPT zu vermitteln. Die Ausbildungskandidaten sollten die Gelegenheit
haben, ihre therapeutische Position in der Auseinandersetzung mit anderen
Konzepten als ihrem Schwerpunktverfahren zu reflektieren und zu entwickeln. Im
Interesse einer möglichst authentischen Darstellung sollten bei der Vermittlung
Dozenten eingesetzt werden, eine Ausbildung und hinreichend therapeutische
Erfahrungen mit der GPT besitzen. Die praktischen Übungen sollten in den
theoretischen Teil integriert werden, um die kognitive Verarbeitung möglichst
eng mit der konkreten Erfahrung zu verknüpfen.
Das Ausbildungsprogramm umfasst 50 Ausbildungsstunden und
gliedert sich inhaltlich in zwei Teile:
I Theorie der GPT (34
Ausbildungsstunden)
1.
Historischer
Kontext der GPT (2
Astd.)
·
Entstehungssituation
·
wissenschaftstheoretische
Aspekte
Literaturvorschläge:
Rogers, C.R. (1973a). Die klient‑bezogene
Gesprächstherapie. München:
Kindler. Original: Client‑centered therapy. Boston: Houghton
Mifflin (1951).
Rogers, C.R.
(1973b). Entwicklung
der Persönlichkeit.
Stuttgart: Klett.
2.
Grundlagen
und Begriffe der GPT (6
Astd.)
·
Persönlichkeitstheorie
/ Menschenbild: Organismusbegriff, Aktualisierungstendenz, Erfahrungen und
deren Symbolisierung, Selbst, Kongruenz / Inkongruenz zwischen Selbst und
Erfahrung
·
Theorie
zur Entwicklung des Menschen: Bedeutung der Beziehung zu „significant others“
für die Entwicklung des Selbst, Bedürfnis nach positiver Beachtung (need for
positive regard) und Bedürfnis nach positiver, Selbstbeachtung (need for
positive self-regard), Relation zwischen Aktualisierungstendenz und
Selbstaktualisierungstendenz, entstehen von Kongruenz / Inkongruenz zwischen
Selbst und Erfahrung
·
Relation
dieser Konzepte zur psychologischen Grundlagenforschung: z.B. Psychologie
unterschwelligen Wahrnehmung und Entscheidungen, Bindungstheorie, Psychologie
des Selbst und des Selbstkonzepts.
Literaturvorschläge:
Biermann-Ratjen, E.-M., Eckert, J. & Schwartz, H.J.
(1995). Gesprächspsychotherapie. Verändern durch Verstehen (7.,
überarbeitete und erweiterte Auflage). Stuttgart: Kohlhammer.
Höger, D. (1993 b). Organismus, Aktualisierungstendenz,
Beziehung ‑ die zentralen Grundbegriffe der Klientenzentrierten
Gesprächspsychotherapie. In J. Eckert, D. Höger & H. Linster (Hrsg.), Die
Entwicklung der Person und ihre Störung, Band 1. Entwurf einer ätiologisch
orientierten Krankheitslehre im Rahmen des klientenzentrierten Konzepts (S.
17‑41). Köln: GwG-Verlag.
Höger, D. (2000). „Ist das noch GT, wenn ich ...?“ – Was ist
eigentlich Gesprächspsychotherapie? Psychotherapeuten Forum. Praxis und
Wissenschaft, 7 (5), 5-17.
Rogers, C.R. (1987). Eine Theorie der Psychotherapie, der
Persönlichkeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Entwickelt im Rahmen
des klientenzentrierten Ansatzes. Köln: GwG-Verlag. Original: A theory of
therapy, personality, and interpersonal relationships, as developed in the
client‑centered framework. In: Koch S. (Ed.)(1959), Psychology: a
study of a science, Vol. 3 (S. 184‑256). New York: McGraw Hill.
3.
Therapietheorie (8
Astd.)
·
Voraussetzungen
therapeutischer Veränderungen: Inkongruenz des Klienten als
Indikationskriterium, Merkmale einer heilenden Beziehung - das
gesprächspsychotherapeutische Beziehungsangebot (bedingungsfreie positive
Beachtung, empathisches Verstehen, Kongruenz des Therapeuten), Ansprechbarkeit
des Klienten für das Beziehungsangebot des Therapeuten
·
Die
Bedeutung unterschiedlicher Abstraktionsebenen bei der Beschreibung des
Therapeutenverhaltens für die therapeutische Praxis
·
Wie
und warum wirkt GPT?
·
Ziele
in der Gesprächspsychotherapie
·
Klientenzentrierte
Supervision
Literaturvorschläge:
Auckenthaler, A. (1995). Supervision therapeutischer
Praxis. Stuttgart: Kohlhammer.
Biermann-Ratjen, E.-M., Eckert, J. & Schwartz, H.J. (1995).
Gesprächspsychotherapie. Verändern durch Verstehen (7., überarbeitete
und erweiterte Auflage). Stuttgart: Kohlhammer.
Eckert, J. (1999). Therapieziele in der
Gesprächspsychotherapie. In H. Ambühl & B. Strauß (Hrsg.), Therapieziele.
Göttingen: Hogrefe.
Finke, J. & Teusch, L. (1991). Gesprächspsychotherapie
bei Neurosen und psychosomatischen Erkrankungen. Neue Entwicklungen in Theorie
und Praxis. Heidelberg: Asanger.
Höger, D. (2000). „Ist das noch GT, wenn ich ...?“ – Was ist
eigentlich Gesprächspsychotherapie? Psychotherapeuten Forum. Praxis und
Wissenschaft, 7 (5), 5-17.
Rogers, C.R. (1987). Eine Theorie der Psychotherapie, der
Persönlichkeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Entwickelt im Rahmen
des klientenzentrierten Ansatzes. Köln: GwG-Verlag. Original: A theory of
therapy, personality, and interpersonal relationships, as developed in the
client‑centered framework. In: Koch S. (Ed.)(1959), Psychology: a
study of a science, Vol. 3 (S. 184‑256). New York: McGraw Hill.
4.
Gesprächspsychotherapeutisches
Störungsmodell und Diagnostik (4
Astd.)
·
Inkongruenz
zwischen Selbst und Erfahrung als Risikofaktor (Diathese-Stress-Modell)
·
Entwicklungstheoretische
Unterscheidung zwischen mehr oder weniger „frühen“ Störungen
·
Indikation
und Prognose
Literaturvorschläge:
Biermann-Ratjen, E.-M., Eckert, J. & Schwartz, H.J.
(1995). Gesprächspsychotherapie. Verändern durch Verstehen (7.,
überarbeitete und erweiterte Auflage). Stuttgart: Kohlhammer.
5.
Störungsspezifische
Ansätze in der GPT (6
Astd.)
·
GPT
bei Neurosen und Persönlichkeitsstörungen
·
GPT
bei Patienten ohne Problembewusstsein und Selbstreflexionsfähigkeit
·
Humanistische
Ansätze in der Psychiatrie
Literaturvorschläge:
Biermann-Ratjen, E.-M., Eckert, J. & Schwartz, H.J.
(1995). Gesprächspsychotherapie. Verändern durch Verstehen (7.,
überarbeitete und erweiterte Auflage). Stuttgart: Kohlhammer.
Binder, U. & Binder, H.J. (1972). Klientenzentrierte
Psychotherapie bei schweren psychischen Störungen. Neue Handlungs‑ und
Theoriekonzepte zur Veränderung. Frankfurt/M.: Fachbuchhandlung f.
Psychologie.
Dörner, K. & Plog, U. (1986). Irren ist menschlich.
Lehrbuch der Psychiatrie/Psychotherapie (3. überarbeitete Auflage). Bonn:
Psychiatrie-Verlag.
6.
Weiterentwicklungen
und Anwendungsbereiche der GPT (8
Astd.)
·
Differentielle
Ansätze in der Gesprächspsychotherapie
·
Prozess-Erlebnisorientierte
Psychotherapie
·
Focusing
·
Traumarbeit
in der GPT
·
GPT
mit Kindern und Jugendlichen
·
GPT
mit Familien
·
Klientenzentrierte
Gruppenpsychotherapie
Literaturvorschläge:
Boeck-Singelmann, C. et. al. (Hrsg.)(1996). Personzentrierte
Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen, Bd. 1 und 2. Göttingen:
Hogrefe.
Bommert, H. & Dahlhoff, H.‑D. (Hrsg.) (1978). Das
Selbsterleben (Experiencing) in der Gesprächspsychotherapie. München: Urban
& Schwarzenberg.
Eckert, J. & Biermann-Ratjen, E.-M. (2001).
Klientenzentrierte Gruppenpsychotherapie. In V. Tschuschke (Hrsg.), Praxis
der Gruppenpsychotherapie, (S. 335-342). Stuttgart: Thieme.
Elliott, R. (1999). Prozeß-Erlebnisorientierte
Psychotherapie – Ein Überblick: Teil 1 u. 2. Psychotherapeut, 44,
203-213 u. 340-349.
Gendlin, E. T. (1981) Focusing: Technik der Selbsthilfe
bei der Lösung persönlicher Probleme. Salzburg : Müller.
Lemke, H. (2000). Das Traumgespräch Umgang mit Träumen
nach klientenzentriertem Konzept. Stuttgart: Kohlhammer.
Schmidtchen, S. (2001). Allgemeine Psychotherapie für
Kinder, Jugendliche und Familien: ein Lehrbuch. Stuttgart: Kohlhammer.
Swildens, H. (1991). Prozeßorientierte Gesprächspsychotherapie.
Einführung in eine differenzielle Anwendung des klientenzentrierten Ansatzes
bei der Behandlung psychischer Erkrankungen. Köln: GwG.
1.
Anwendung
von Skalen zur Erfassung von Klienten- und Therapeutenverhalten (2
Astd.)
2.
Übungen
zur Selbst u. Fremdwahrnehmung (4
Astd.)
3.
Übungen
zum therapeutischen Gesprächsverhalten (10
Astd.)
Empfohlen werden therapeutische Übungsgespräche zu
je 10-15 Min. Dauer in Kleingruppen à drei Personen (1 „Therapeut“, 1 „Klient“
1 Beobachter mit wechselnden Rollen).
Nach jedem Übungsgespräch tauschen die drei Beteiligten ihre Eindrücke
von dem Gespräch aus, anschließend werden die auf Tonband aufgenommenen
Übungsgespräche besprochen und analysiert.
Eckert, J. (1996). Gesprächspsychotherapie. In C. Reimer, J.
Eckert, Hautzinger & E. Wilke (Hrsg.), Psychotherapie: Ein Lehrbuch für
Ärzte und Psychologen (S. 124-191).
Eckert, J., Höger, D. & Linster, H.W. (Hrsg.)(1997). Praxis
der Gesprächspsychotherapie. Störungsbezogene Falldarstellungen. Stuttgart:
Kohlhammer.
Farber, B., Brink, D. & Raskin,
P. (Eds.). The psychotherapy of Carl Rogers. Cases and commentaries. New
York: Guilford Press.
Völker, U. (Hrsg.)(1980). Humanistische Psychologie:
Ansätze einer lebensnahen Wissenschaft vom Menschen. Weinheim: Beltz.